Die sieben Kernemotionen sind Wut, Trauer, Angst, Freude, Ekel, Begeisterung und sexueller beziehungsweise sinnlicher Genuss.
Die menschliche Erfahrung hat eine wahrscheinlich unendliche Bandbreite von Emotionen und Mischungen von Emotionen. Doch es gibt genau genommen sieben Grundemotionen, die ich im Weiteren Kernemotionen nennen werde und die unser Leben besonders bestimmen.
Diese Emotionen erfüllen den Zweck, unser Überleben zu sichern, denn sie sind dafür da, uns zu Handlungen zu bewegen. Jede Emotion erfüllt dabei einen anderen Zweck.
Welchen Sinn haben unsere Emotionen?
Unsere Emotionen erfüllen jeweils einen kritischen Zweck zur Sicherung unseres Überlebens.
| Emotion | Entsteht, wenn … | Bewegt uns dazu … |
|---|---|---|
| Trauer | wir einen Verlust erfahren | einzukehren, uns mit Freunden und Familie zu umgeben und nach Trost zu suchen |
| Angst | wir einer Gefahr ausgesetzt sind | Schutz zu suchen, zu kämpfen oder uns totzustellen, bis die Gefahr vorüberzieht |
| Wut | andere unsere Grenzen überschreiten oder uns Ungerechtigkeit widerfährt | uns zu verteidigen, für uns einzustehen und Veränderung anzukurbeln |
| Freude | uns Gutes widerfährt oder wir Spaß haben | mehr davon aufzusuchen, die Freude mit anderen zu teilen und Verbindungen aufzubauen |
| Ekel | uns etwas Schädliches zu nahe kommt | zu würgen, zu speien und es von uns wegzustoßen |
| Begeisterung | wir Dinge tun, die uns tief berühren und interessieren | mehr davon zu tun, in die Luft zu springen und die Welt zu erforschen |
| Sexueller und sinnlicher Genuss | unsere Wünsche und Bedürfnisse erfüllt werden | intime Beziehungen einzugehen und uns fortzupflanzen |
Die sieben Kernemotionen sind also in ihrer Essenz Überlebensemotionen. Sie haben sich im Laufe der Evolution entwickelt, um unser Überleben zu sichern und unser weiteres Fortleben auch ertragbar zu machen. Emotionen sind ein unfassbar erstaunlicher Mechanismus unserer Existenz.
Das Problem mit unseren Kernemotionen
Doch es gibt ein Problem mit Emotionen: Weil sie dafür ausgelegt sind, uns zu gewissen Handlungen zu bewegen, sind sie auch so heftig und intensiv. Sie können unser Nervensystem aus der Ruhe bringen. Selbst „positive Emotionen“ wie Freude und Begeisterung sind für viele Menschen zu stark oder überwältigend, für manche sogar bedrohlich.
Es ist eine Sache, mit den eigenen Emotionen klarzukommen. Doch was passiert, wenn zwei Menschen mit ihren jeweiligen Emotionen aufeinandertreffen? Dann wird es schnell kompliziert und schwierig, wenn man nicht gelernt hat:
- mit den eigenen Emotionen umzugehen und
- mit den Emotionen anderer umzugehen.
Deshalb haben Eltern oft Schwierigkeiten, mit den Emotionen ihrer Kinder umzugehen, und verbieten ihnen, gewisse Emotionen wie Wut oder Trauer auszuleben. Wut wird bei Mädchen schnell als Hysterie und schlechtes Benehmen abgestempelt und Trauer bei Jungen als Schwäche. Oder Eltern leben ihren Kindern vor, wie sie mit ihren Emotionen umzugehen haben: Wut unterdrücken, Trauer verschlucken, Angst leugnen. Es gibt praktisch keinen Haushalt, in dem Kinder den richtigen Umgang mit ihren Emotionen lernen. Aus ihnen werden dann später wiederum Eltern, die ihren Kindern diesen falschen Umgang mit ihren Emotionen beibringen.
Das große Potenzial unserer Emotionen
Es stimmt, dass wir Emotionen nicht kontrollieren können. Sie entstehen in einem Teil des Gehirns, der unserer bewussten Entscheidung entgeht. Wie vorher gesagt, ist das ein toller Mechanismus, der uns das Überleben sichert. Man stelle sich vor, wir würden nur unsere Gedanken haben, wenn wir einer plötzlichen Gefahr gegenüberstehen – wir wären in unserem Grübeln darüber, was wir tun sollen, aufgeschmissen. Daher ist es gut, dass unsere Emotionen ohne unsere bewusste Kontrolle entstehen.
Wir können sie zwar nicht kontrollieren, aber den richtigen Umgang mit unseren Emotionen lernen. Denn wir haben die Macht darüber, was wir als Antwort darauf tun, wenn wir eine Emotion wahrnehmen. Der richtige Umgang bedeutet, dass wir lernen, auf unseren Körper und auf unseren Instinkt zu hören, der uns in so vielen Situationen des Tages zeigt, worauf wir achten sollten.
Wenn wir das tun, stehen wir mehr für uns ein, leben ein Leben, das sich stärker an unseren Bedürfnissen orientiert, und kommen zu guter Letzt mehr in den Genuss, in einem friedlichen Zustand zu ruhen. Wir haben Vertrauen, Mut und wissen genau, was als Nächstes zu tun ist.


